05.06.17

Im Auto unterwegs....


Unsere Zeit in Tianjin nähert sich dem Ende, und diese Stadt -- die weder die interessanteste noch die schönste unter Gottes weiter Sonne ist, die mir aber drei schöne Jahre lang immer das Gefühl gegeben hat, herzlich willkommen zu sein -- macht mir das schönste Abschiedsgeschenk ever

Die besten Taxi-Fahrten!

Ich kann mich noch gut an meine ersten Taxi-Abenteuer erinnern, damals konnte ich noch kein Chinesisch, fühlte mich absolut hilflos, und bin monatelang lieber stundenlang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, als noch einmal freiwillig alleine in ein Taxi zu steigen.

Heute lache ich natürlich darüber, denn so schlimm, wie es mir damals vorkam, war es natürlich nicht, sondern eher:

...

...

...

"normal".

Als mein Chinesisch besser wurde, ging auch das Taxi fahren wieder, wurde aber bald ziemlich fad, denn selten ist etwas spannendes passiert.

(Bis auf das eine Mal, wo mich ein Fahrer charmant beflirtet und zum Abschied abgebusselt hat).

Schön war allerdings, dass ich so vielen Taxi-Fahrern allein damit eine Freude machen konnte, aus Österreich zu kommen -- schon hellte sich ihr Gesicht auf und sie begannen zu singen.

...

Aber jetzt, in den letzten Wochen unserer Zeit in Tianjin darf ich noch mal die herrlichsten Erlebnisse haben:

Taxi-Fahrer, die genauso wenig wissen wie ich -- oder das Navi! -- wo's lang geht. 

Oder die, die sagen, dass sie den Weg eh kennen, die eindrucksvollsten Schleichwege nehmen, wo ich mich dann nimmer gescheit auskenne -- und mir dann vorwerfen, ich hätte doch gesagt, ich wüsste, wie man fahren muss, oder dass ich ihnen den Weg falsch angesagt hätte.

Herrlich!!!

Das allerbeste war aber der Rennfahrer letztens, der mich zu einer Grillparty bringen sollte, und mich und das Bier, das ich bei mir hatte, so durchschüttelte, dass ich bei der Party alle warnen musste, die Dosen besser nicht zu öffnen...

Nur wenige Tage später war ich mittags zu einer Zeit unterwegs, zu der man nur schwer ein Taxi findet, als mich ein Taxi-Fahrer zu sich winkte und mich vorne einsteigen ließ...

...

...

...

Vorne, denn hinten saß schon ein Fahrgast, den er nur noch eben schnell nach Hause bringen wolle, bevor er mich an meinen Zielort bringe.

Es wurde zwar ein stattlicher Umweg, aber ein besonderer, denn der Taxi-Fahrer war niemand anderes als mein Rennfahrer!

Dabei heißt es immer, dass es in einer 15 Millionen-Stadt wie Tianjin mit gefühlten zehntausenden Taxi-Fahrern niemals passieren würde, zwei Mal den selben Fahrer zu erwischen!

Und noch dazu haben wir uns die ganze Zeit wirklich nett unterhalten.

****

Und dann ist da natürlich noch Zhì, der weltbeste und vor allem geduldigste Fahrer!

Vor zweieinhalb Jahren, als wir uns noch an ihn und an das expat-seifenblasige Konzept, überhaupt einen Fahrer zur Verfügung zu haben, gewöhnen mussten, hatte es einmal einen Zwischenfall gegeben, der mir so richtig Angst gemacht hatte:

Es hatte fast einen Zusammenstoß mit einem anderen Auto gegeben, und er war total wütend geworden, aus dem Auto gesprungen und hatte sich mit dem Fahrer angelegt, dem (eh klar) eigentlich er die Vorfahrt genommen hatte.

Ich hatte mich damals wirklich sehr, sehr erschrocken, hätte es aber total vergessen, wären wir nicht kürzlich in einem völligen Verkehrschaos stecken geblieben, in dem Zhì mal kurz die Nerven geschmissen hat!

"Cào!", fluchte da der weltbeste und vielleicht doch nicht ganz so geduldige Fahrer, sprang (unter heftigem Türenschlagen) aus dem Auto... und Minka und ich dachten schon, gleich gibt's Streit...

Diesmal waren wir allerdings nicht erschrocken, sondern fanden's richtig cool, wie er (wenn auch unter einigem Gefluche) dabei half, das Chaos aufzulösen!

Jiāyóu -- Gib Gas!

****

Er ist einfach der absolut Coolste, und neben meinen besten Freundinnen hier, derjenige, den ich am meisten vermissen werde, wenn wir nach Shanghai ziehen.

Fast drei Jahre lang hatte er eine unglaubliche Geduld mit uns allen, und mit meinem mickrigen Chinesisch im Besonderen.

Lesen und Schreiben habe ich an der Uni gelernt, aber Chinesisch sprechen von ihm.

Und er hat den schönsten Tianjin-Dialekt, den man sich nur denken kann -- bei niemandem hört sich dieses brummige Chinesisch mit den gerollten Rs besser an als bei ihm!

Er hat sich immer mein Gejammere über meine Nachbarn angehört und sich köstlich über mein Geschimpfe über Frank amüsiert -- ihn aber auch immer wieder verteidigt, denn die beiden schätzen sich sehr.

(Schön eine Erinnerung, als die beiden gemeinsam am Auto gewerkelt haben).

Er war mein Vertrauter und hat mich mehr als einmal getröstet, wenn gerade so gar nichts ging.

Und er hat mehr als einmal angeboten, sich für mich zu streiten, wenn er dachte, dass ich alleine nicht klar komme.

Um dann anderen voller Stolz zu erzählen, dass ich mich schon selber sehr gut alleine durchschlagen kann.

Ohne ihn ist Tianjin für mich wirklich unvorstellbar!

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Hier hat die letzte Schulwoche begonnen -- Ruhe vor dem Sturm, sozusagen, bevor wir nächste Woche noch mal verreisen, und danach schon bald die Möbelpacker kommen!

Euch wünsche ich einen schönen Start in die neue Woche!

So long,
Corinna

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Liebe Frau_Mahlzahn!

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