17.04.18

Die längste Theke des Ostens


Immer historisch unterwegs, haben Mutze und ich kürzlich mal die ehemals längste Theke des Ostens ausgecheckt.

Was nicht weiter schwer fiel, weil sie eh direkt am Bund ist, im ehemaligen britischen Shanghai Club,  in dem die Sitzreihenfolge an der Theke streng hierarchisch war -- je reicher und etablierter, desto weiter am oberen Ende der Theke der Sitzplatz.

Reichlich "stuffy" soll es da in diesem Club gewesen sein, britisch halt, und ich frage mich, was die feine Gesellschaft gesagt hat, als sich Shanghai von einem gediegenen Ort für feine Herrschaften in den 20ern, 30ern, und 40ern eher in ein Sodom und Gomorra verwandelte -- oder schlimmer noch, denn wie es mal ein Missionar ausdrückte: in Shanghai werde man das Gefühl nicht los, dass Gott Sodom und Gomorra eine Entschuldigung schulde...

Egal, im Shanghai Club ging es zwar durchaus unmäßig, aber doch immerhin gediegen zu, an der Theke wollte jedenfalls jeder mal gesessen haben. 

So auch Mutze und ich.


Und nichts symbolisiert aus meiner Sicht die bewegte Geschichte dieser ehemals längsten Theke des Ostens so sehr wie dieser etwas absurde aber doch sehr leckere "Colonel Sanders Margarita":

Gegründet wurde der Shanghai Club 1911, und hier durchlebten die Reichsten der Reichen die goldenen Jahrzehnte Shanghais bis mit dem Ausbruch des Sino-Japanischen Krieges die legendere Ära den Bach runterging. 

(Dass sich China auch vorher schon in ziemlichem politischen Chaos inklusive blutigster Auseinandersetzungen zwischen Nationalisten und Kommunisten befand, hatte man getrost ignoriert, wen interessierte das denn schon?)

Nachdem 1941 Japan mit dem Angriff auf Pearl Harbor keinen Grund mehr hatte, die internationalen Settlements zu verschonen, vertrieben die japanischen Besetzer die Briten und nahmen selber an der Theke Platz.

Nach kurzen Zwischenspielen zwischen 1945 und 1956 öffnete der Shanghai Club seine Türen wieder für die internationalen Seeleute, deren Frachtschiffe Shanghai anliefen, bis 1971 das Dong Feng Restaurant dort eröffnete, das viele Shanghaier, unter anderem auch eine liebe Freundin von mir, noch in guter Erinnerung hat.

1988 fuhr Colonel Sanders seine scharfen Krallen in Shanghai ein, riss die Theke schlichtweg ab und eröffnete das erste Kentucky Fried Chicken Restaurant Shanghais in diesen ehemals gediegenen Hallen.*

Da bestätigt sich ja irgendwie so ziemlich jede Vorurteil gegen die Kulturbarbaren, das man so haben kann, *hüstel*...

Zum Glück für uns wurde die Theke aber 2011 anlässlich des 100-jährigen Bestehens wieder restauriert, und, ja, wieder recht gediegen... wir haben uns jedenfalls sehr wohl und lässig an der Bar gefühlt und die Atmosphäre sehr genossen.

Und das Bezahlen der Rechnung war Dank der Happy Hour auch nicht ganz so schmerzhaft wie befürchtet.

Wenn Ihr mal in Shanghai seid und Lust auf einen Drink habt... Let me know!

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Euch wünsche ich einen schönen Tag!

Cheers, 
Corinna

*Nachtrag: Hat mir doch eben gerade ein shanghainesischer Bekannter tatsächlich erzählt, dass er in genau diesem KFC sein erstes Fried Chicken gegessen habe!

11.04.18

DIY: Shanghai erleben


Als ich zum ersten Mal und in relativer Unkenntnis der Geschichte dieser Stadt, ach, überhaupt der chinesischen Geschichte, nach Shanghai kam, hat mich der Bund, eine der berühmtesten Touristenattraktionen, ziemlich irritiert.

Klar war das toll, sich durch die Menschenmassen zu schieben und über den Fluss auf das hellerleuchtete LiuJiaZui mit seinen lässigen Hochhäusern und dem Pearl Tower zu schauen.

Was aber genau diese komischen, massiven, pompösen und absolut un-chinesischen Prunkbauten hinter uns sollten, hatte sich mir damals noch nicht so recht erschlossen. Und wirklich schön finde ich sie auch nicht gerade.

Dass ich, egal wie oft ich durch meine Fotos scrolle, kein vernünftiges Bild vom Bund finde, sagt ja schon alles, ungeliebtes Stiefkind halt.

Selbst nachdem ich angefangen hatte, mich mit der Geschichte zu beschäftigen, hat sich mein Verhältnis zum Bund erst mal nicht verbessert, steht er doch in meinen Augen für Ausbeutung und gröbste Kolonialattitüden.

Pah!

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Aber das kann man dann ja so auch nicht da stehen lassen.

Also bin ich der Sache mal genauer auf den Grund gegangen, habe ein wenig in meinen Geschichtsbüchern und Stadtführern gewühlt, einige Ausflüge zum Bund gemacht, bin die Straße rauf und runter gelaufen...

...

...

...und nach einem entspannten Abend in einer der grandiosen Bars am Bund beschlossen, dass auch diese Ecke der Stadt durchaus seinen Charme hat.

Und wenn man diese Stadt verstehen will, führt nun mal kein Weg am Bund vorbei.

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Aber was ist denn jetzt genau der legendäre Bund, den alle, die nach Shanghai kommen, sehen wollen?

Der Bund ist eine direkt am Huang Pu gelegene Straße und Teil eines Gebietes, das den Briten zugesprochen wurde, nachdem sie den Opiumkrieg gewonnen und China mit dem Vertrag von Nanjing so richtig abgezockt hatten.  Während die Chinesen vorher den In- und Auslandshandel streng reguliert hatte, konnten die Westler (die anderen Länder sprangen schnell auf den fahrenden Zug) von nun an in ausgewählten Hafenstädten, u.a. Shanghai, aber auch Tianjin, schalten und walten wie sie wollten und sogar ihre eigene Rechtssprechung implementieren.

Im Laufe der Jahrzehnte errichteten erfolgreiche Unternehmen dort ihre Prachtbauten, die vom immensen Reichtum zeugten, den sie sich unter anderem durch Opiumhandel erworben hatten. Viele der findigen Unternehmer scheffelten übrigens auch mit Immobilienhandel unglaublich viel Kohle, jedenfalls war Shanghai für skrupellose Geschäftsleute die reinste Goldgrube.

Und ihr Lebensstil und ihre unendliche Arroganz dementsprechend.

Auch heute noch ist der Bund eher so die Luxus-Adresse, und hinter mehr als einer der Fassaden versteckt sich auch weiter Glanz und Gloria der Expat-Seifenblase.

(Und ich muss sagen, einen lauen Sommerabend oben auf den Dachterrassen einer exklusiven Bar zu genießen, das hat schon was...).

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Ich bin noch nicht ganz fertig mit meiner Führung über den Bund, bin aber definitiv der Meinung, dass sie unbedingt am Broadway Mansions Hotel und der Garden Bridge beginnen muss.


Es ist nämlich erstens sehr schön dort und zweitens veranschaulicht die Garden Bridge sehr gut den krassen Alltagsrassismus und die Spaltung der Stadt in unzählige Parallelwelten: wir begeben uns mit dem Überqueren der Brücke in eine Welt, die alles andere als "normal" war.


(Blick durch dass Brückengeländer auf das am anderen Flussufer gelegene LiuJiaZui)

Ungefähr an dieser Stelle, an der der Souzhou Creek in den Huang Pu mündet, errichtete in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein findiger westlicher Geschäftsmann eine Holzbrücke und verlangte fortan eine Gebühr von jedem der die Brücke überqueren wollte.


Da die Brücke ein eher wackeliges Konstrukt war, wurde sie bald durch eine zweite Holzbrücke ersetzt, an der Einforderung von Gebühren änderte sich aber nichts.

Während aber die Chinesen ausnahmslos bar bezahlen mussten, durften die Westler quasi anschreiben lassen -- u.a. wohl deshalb, weil damals viele verschiedene Währungen in Shanghai kursierten und es wohl zu kompliziert gewesen wäre.

Für die Chinesen sah es aber so aus, als müssten nur sie bezahlen, und so nannten sie die Brücke: Wai  Bai Du Qiao... was übersetzt so viel heißt wie "Ausländer-überqueren-gratis Brücke."

Tatsächlich hagelte es so viele Beschwerden, dass die internationale Stadtregierung Anfang des 20. Jahrhunderts beschloss, eine neue Brücke, diesmal diese hier aus Stahl zu errichten, die nunmehr alle gratis benutzen dürfen.

Sowohl der chinesische Name als auch die Gerüchte, dass Ausländer für lau über die Brücke durften, halten sich aber weiterhin hartnäckig.


Zu trauriger Berühmtheit kam die Brücke 1932 und 1937, als die Japaner die außerhalb der internationalen Konzessionen gelegenen und hauptsächlich von Chinesen bewohnten Nachbarschaften bombardierten und in Schutt und Asche legten. Die Garden Bridge war für viele die einzige Möglichkeit, in die relative Sicherheit des von den Luftangriffen verschonten International Settlements zu gelangen, und täglich strömten Massen verängstigter Menschen mit ihren Familien über diese Brücke.

(Dass das International Settlement und die Französische Konzession verschont wurden, lag daran, dass Japan sich noch nicht im Krieg mit den Westmächten befand und auch noch kein Interesse daran hatte, einen Zwischenfall zu provozieren).

Heute dient die Brücke gerne als scenic location für Hochzeitsfotos.


Weiter geht es von hier aus am ehemaligen britischen Konsulat und der ehemaligen Villa des Konsuls vorbei den Bund in Richtung Süden hinunter, wobei wir hier und da fröhlich die Straßenseite wechseln müssen.

Denn manche Prunkbauten lassen sich leichter aus der relativen Ferne bestaunen, während man für manche Details näher heran muss. Und anhand einiger der Bauten lassen sich auch sehr gut die Probleme erläutern, mit denen die Stadt bei der Erhaltung der Cultural Heritage dieser Straße zu kämpfen hat.

Auch wenn es definitiv spannend ist am Bund -- und es auch einige hervorragende Bars und Restaurants gibt! -- mein Lieblingsort in Shanghai ist es trotzdem nicht.

Deshalb würde ich vorschlagen, dass wir nach unserem Spaziergang entweder die nächste Metro-Station suchen und in die Französische Konzession fahren, oder zu Fuß zum Konfuzius Tempel und seiner älteren Nachbarschaft gehen, in der die Uhren deutlich langsamer ticken als am quirligen Bund -- perfekter Ort, um das tägliche Kontrastprogramm Chinas zu veranschaulichen!

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Wenn Ihr nur einen Tag Zeit hättet in Shanghai, würde ich die Tour übrigens anders herum aufbauen, um zu große Umwege zu den anderen interessanten Orten zu vermeiden. Aber so rum gefällt mir persönlich die Bund-Tour am besten.

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Euch wünsche ich einen schönen Tag!

So long,
Corinna

09.04.18

Remembering Shanghai: unterwegs in der Vergangenheit


Kürzlich waren Mutze und ich bei der Buchvorstellung Rembering Shanghai: A Memoir of Socialites, Scholars and Scoundrels, von Isabel Sun Chao und ihrer Tochter Claire Chao.


Isabell Sun Chao wuchs in den 30er und 40er Jahren als Kind einer reichen chinesischen Familie in einem der wohlhabenden Viertel Shanghais auf, bis ihr Vater sie (als einzige der fünf Geschwister) Anfang der 50er nach Hong Kong schickte, damit wenigstens sie eine Chance auf ein neues Lebens außerhalb der Volksrepublik haben könne.


Obwohl sie selber weniger in der Vergangenheit schwelgte, sondern sich eher auf die Herausforderungen der Gegenwart konzentrierte, konnte ihre Tochter Claire sie schließlich davon überzeugen, gemeinsam ihre Familiengeschichte über die letzten fünf Generationen zurück zu verfolgen und ihre Erinnerungen an das Shanghai der legendären 30er und 40er Jahre aufzuschreiben.



Auch wenn das Buch als Memoiren und mit eingeschränktem Zugang zu Quellen aus der Sicht eines Historikers heraus natürlich einige Schwächen hat, muss ich doch sagen, dass es eine sehr willkommene und interessante Ergänzung zu den bisher veröffentlichten Berichten über das Shanghai dieser wilden Zeit ist -- denn während die anderen Bücher, die ich gelesen habe, hauptsächlich über das Leben der Expats berichten, gibt dieses hier das Leben einer reichen chinesischen Familie wider und gibt damit ganz andere Einblicke.

Na ja, und weil ich ja immer gerne unterwegs bin, um die Geschichte dieser Stadt verstehen zu lernen (und an neuen Stadtführungen zu arbeiten), habe ich mich heute auf die Suche nach den Spuren ihrer Kindheit und Jugend gemacht...

... eine wahre Freude an einem so schönen Frühlingstag wie heute...

... auch wenn die Geschichte der Sun-Familie eher traurig endete, und auch das Haus, in dem Isabel aufwuchs, deutlich die Spuren und Wunden der jüngeren Geschichte Chinas trägt.

Wenig erinnert noch an die ehemals stattliche Villa...

(Bild abfotografiert aus: Remembering Shanghai: A Memoir of Socialites, Scholars and Scoundrels)

... in der heute Händler ihre Waren aus dem Fenster heraus verkaufen (wie es in China oft üblich ist) und die Innenräume in... kleine Wohneinheiten, um es vorsichtig auszudrücken, verwandelt wurden...



Nur das Treppengeländer in der Eingangshalle dürfte noch im Originalzustand sein:

(Bild abfotografiert aus: Remembering Shanghai: A Memoir of Socialites, Scholars and Scoundrels)


Und ja, man kann einfach so hinein spazieren...

Ich habe mich nicht getraut, es zu fotografieren, aber genauso wie es in dem Buch beschrieben war, war auch heute die Tür zum ehemaligen ZhongJian, dem Mittelraum, einen Spalt breit geöffnet... nur habe ich mich nicht getraut, hineinzulünkern und vielleicht einen Blick auf die Stelle zu erhaschen, an der Isabel als junges Kind einen sehr wertvollen GongShi ihres Vaters und den Boden beschädigt hat... Angeblich soll man die Kratzer auf dem Boden noch sehen können.

Aber ich muss gestehen, es braucht einiges an Vorstellungskraft, um nachvollziehen zu können, dass hier mal eine achtköpfige Familie plus Scharen an Personal sehr privilegiert gewohnt hat...

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Auch das gesamte Viertel ist definitiv einen Frühlingsspaziergang wert, es gibt so viel zu sehen, und viele der Häuser, die jetzt auch in kleine Wohneinheiten aufgeteilt sein dürften, haben schon in den 20er und 30er Jahren hier gestanden.

Wie zum Beispiel diese Reihenhaussiedlung, die von einem reichen chinesischen Unternehmer in den 30ern gebaut wurde:


Mah, es sieht so schön und atmosphärisch aus, dass man am liebsten sofort einziehen möchte...

Tatsächlich kann ich mir aber vorstellen, dass es dort nicht sehr gemütlich und komfortabel zu leben ist. 

Vermutlich im Gegensatz zu dieser Residenz, in der früher einmal der Ansammler ehrwürdiger und bestimmt unglaublich wichtiger Titel, Shi Liang, gelebt hat:


Auch sehr fein, aber nicht zuordnungsbar dieses Haus, vor dessen Gartenhäuschen ein altes Ehepaar saß, das sicher viel über die Zeitgeschichte Chinas zu erzählen hätte:


Und direkt gegenüber und nur ein paar Ecken vom dem Elternhaus Isabel Sun Chaos entfernt, die ehemalige und extrem berühmte McTyeire School for Girls, heute besser bekannt als Shanghai No. 3 Middle School for Girls:



Hier sind übrigens nicht nur Isabel Sun Chao und ihre Geschwister zur Schule gegangen, sondern auch die Song Schwestern AiLing, MeiLing und Qing Ling.

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Ein schöner und interessanter Spaziergang war's, und zum Abschluß gab's eine gute Schüssel Niü Rou Pao Mo, eine Spezialität aus Lanzhou:


Das Leben ist schön!

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Euch wünsche ich einen schönen Wochenanfang!

So long,
Corinna

08.04.18

Xi'an


Wer sich für die Geschichte Chinas der vergangenen 100 Jahre interessiert, muss nach Shanghai kommen. Wer die chinesische Geschichte der letzten 1000 Jahre studieren möchte, ist in Beijing gut aufgehoben. Die Geschichte der letzten 3000 lässt sich dagegen am besten in Xi'an erleben.

Erklärte uns jedenfalls unser Tour Guide, den wir für unsere Reise nach Xi'an engagiert hatten. 

(Und der es sehr schwer mit uns hatte -- ich fürchte, wir taugen nicht viel dazu, uns von anderen herumführen zu lassen, und schon gar nicht dazu, uns an Zeitvorgaben zu halten. Trotzdem war es hilfreich, ihn zur Seite zu haben).

Ob man sich nun für Geschichte interessiert oder nicht: Xi'an ist definitiv eine Reise wert! Und Zeit sollte man sich nehmen, denn neben den offensichtlichen Sehenswürdigkeiten -- der Terracotta Armee, der Stadtmauer, der Wilde Goose Pagoda, dem muslimische Viertel und der Moschee (oh, vor allem der Moschee!) -- ist es auch so eine total tolle und atmosphärische Stadt.

Wie ich meinen Freundinnen schrieb:

"Mo thinks, Xi'an is as sad as Tianjin. I'd say: it's even sadder! No English, shabby, dusty and very, very local. What's not to love?"

Nah, im Ernst. Dem Mo taugt natürlich Shanghai besser, aber ich mag die weniger schicken Städte lieber! 

Die wenigstens Menschen in Xi'an sprechen Englisch, es ist ein bisschen herunter gekommen, staubig, und sehr ... na ja, chinesisch, halt.

So wie ich es am liebsten habe.

(Und seit langer Zeit hatte ich nicht mehr so viel Gelegenheit, Chinesisch zu sprechen -- denn es hat wirklich kaum einer Englisch gekonnt!)

Es war so klasse!

Man merkt zwar schnell, dass Xi'an trotz seiner 8,5 Millionen Einwohner ein bisschen provinziell ist, aber die Menschen sind voll lässig, offen, und freundlich. Und weil gerade ein langes Wochenende war, auch super gut gelaunt!

Ich könnte mich gar nicht entscheiden, was denn jetzt das beste an unserem Aufenthalt in Xi'an war:

Das super leckere Essen im First Noodles under the Sun Restaurant, das nur so (vor dem ganz normalen chinesischen Leben) gebrummt hat...




... oder das abendliche, knallbunte Gewusel um die Wilde Goose Pagoda herum...








... richtig klasse und natürlich definitiv grenzgenial die Terracotta Armee:





Und, bitte, solltet Ihr mal dort sein, vergesst Eure guten Manieren, und schaut, dass Ihr jede Lücke nutzt, um Euch in den Menschenmassen für einen besseren Ausblick ganz nach vorne zu schieben...

(Und wenn Ihr keine Menschenmassen mögt... für die Terracotta Armee lohnt es sich, eine Ausnahme zu machen. Und auch wenn man einen Platz in der ersten Reihe ergattert hat, ist ein Selfie-Stick ein wirklich lohnenswertes Accessoire!)

Am besten gefallen hat es mir in Halle 3, weil sich erstens die Menschenmassen hier schon einigermaßen verlaufen hatten, und man zweitens so ungemein viele coole Details und die ungeheure Komplexität der Ausgrabensarbeiten sehen kann:


Absolut toll die Radtour auf der Stadtmauer...


(Die Kinder wissen leider nicht, wie sehr ich immer hin und her gerissen bin, ihnen einerseits den Spaß zu gönnen, andererseits aber immer tausende Tode sterbe, wenn sie so einen Klamauk betreiben...)



Das muslimische Viertel mit den tausenden von Gerüchen, Eindrücken und Köstlichkeiten:






Richtig, richtig gut hat es mir nach dem Impressionen-Overload des Viertels gefallen, in die wunderschöne Atmosphäre der Moschee abzutauchen, die ganz im Stil eines chinesischen Tempels gestaltet ist...






....mir aber wohl vor allem deshalb so gut gefallen hat, weil sie nicht so hyper-restauriert und bunt ist, wie viele andere chinesische Tempel. Und weil es viel mehr ein Ort der Stille ist, und überhaupt eine sehr sehr angenehme Atmosphäre hat.

Wir haben noch viel mehr gesehen, aber während die anderen Orte und Museen auch okay waren, waren das hier halt doch die absoluten Highlights!

Es war einfach echt, echt cool! Solltet Ihr eine Reise nach China planen, plant auf alle Fälle ein paar Tage für Xi'an ein, und lasst Euch ein wenig Zeit dort. Es gibt so viel zu sehen und zu erleben, man kann dort so viele verschiedene Eindrücke von China bekommen!

Uns waren jedenfalls die drei einhalb Tage viel zu kurz, und wir wollen bestimmt noch mal zurück!

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Euch wünsche ich noch einen schönen Restsonntag!

So long,
Corinna


02.04.18

Bootsrundfahrt am Huang Pu



Dass mich meine Familie noch nicht längst zur Adoption aufgegeben hat, grenzt ja eigentlich auch eher an ein Wunder...

...

...

... denn mit mir kann man noch nicht mal eine Bootstour am Huang Pu machen, ohne dass ich vor Begeisterung austicke.

Das geht dann ungefähr so:


Woah, schaut, schaut, schaut, ist das schön!


Und da!!! SEHT IHR!! SEHT IHR? DA, DA, DA, ganz links! Das ist das Waldorf Astoria, in dem die damals längste Theke der Welt war!



OHOHOHOHOH!!! DAS BROADWAY MANSIONS UND DIE GARDEN BRIDGE! Sieht das von hier klasse aus! (KREISCH!)



OH MEIN GOTT! Man kann sogar das Schlachthaus sehen! Seht Ihr, SEHT IHR???

(Nein, seht ihr nicht. Aber wenn man weiß, dass es da ist, kann man es zumindest erahnen.)

...

Jedenfalls der Rest der Familie so (augenrollend):

Ja, Ma, beruhig Dich wieder, ist ja schon gut...

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Auf der anderen Seite des Flusses kann man natürlich auch richtig coole Sachen sehen...



Es ist halt nur alles noch nicht so alt und geschichtsträchtig.

(Was allerdings nicht bedeutet, dass meine Begeisterungsstürme deshalb geringer werden... soifz)

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Richtig cool ist übrigens auch dieses Kaufhaus an der East Nanjing Road, in das man wirklich mal einen Blick werfen sollte, wenn man schon mal da ist:




Völlig gigantisch und überdimensioniert. 

Und passt damit perfekt in das Image, das Shanghai schon Anfang des 20. Jahrhunderts pflegte.

(Und ja, die Rolltreppe fährt wirklich um die Kurve...).

Auch wenn das jetzt so ein hypermodernes Ding ist, ist es doch ganz im Einklang mit der Geschichte der Kaufhäuser in China: es geht weniger ums Einkaufen (was sich bei den Preisen eh keiner leisten kann), sondern um das Erlebnis, um den Zeitvertreib, durch so einen Mall zu bummeln.

Chinesische Shopping Malls sind halt immer irgendwie mehr Entertainment.

Und das war schon so, als die ersten Einkaufstempel Malls Ende des 19. Jahrhunderts in Shanghai eröffneten.

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Dass ich beim Anblick der Garden Bridge so in Ekstase gerate, hat übrigens einen Grund:

Sie ist erstens recht schön, hat zweitens eine sehr interessante Geschichte und einen gewissen Charme, und eignet sich drittens perfekt als Auftakt zu einer neuen Stadtführung, an der ich gerade arbeite. 

Davon ein anderes Mal mehr, :-).

Cheers,
Corinna